Hier finden Sie das Programm unserer Wetzlarer Goethegesellschaft für das 2. Halbjahr 2026:
Autor: Ulrike Enke
Michael Quast, Joachim Seng: Goethe-Parodien aus drei Jahrhunderten
Vorankündigung Neujahrs-Matinee 2027
Michael Quast und Dr. Joachim Seng (Frankfurt):
„Ei, lasse Se doch die Förmlichkeite“. Goethe-Parodien aus drei Jahrhunderten
Der Frankfurter Volksschauspieler Michael Quast und der Goethe-Forscher des Freien Deutschen Hochstifts, Dr. Joachim Seng, präsentieren bissige und komische Goethe-Parodien aus drei Jahrhunderten, die den „Dichterfürsten“ mit Witz vom Sockel holen und seine bis heute lebendige Wirkung zeigen.
Neujahrsmatinee, Sonntag, 17. Januar 2027, 11.00 Uhr, Alte Aula, Arnsburger Gasse
Rainer Waldschmidt: Albert Schweitzer – Reden über Goethe
Lesung von Rainer Waldschmidt (Wetzlar)
Albert Schweitzer – Reden über Goethe
Arthur William Heintzelman (The Library od Congress Prints & Photographs)
Albert Schweitzer war Theologe, Philosoph, Musiker und Arzt – eine der eindrucksvollsten Humanitätsgestalten des 20. Jahrhunderts. Berühmt wurde er als Bach-Interpret, als Denker und vor allem durch sein Wirken als Arzt in Lambarene im heutigen Gabun (Zentralafrika). Im Zentrum seines Denkens stand die „Ehrfurcht vor dem Leben“: die Überzeugung, dass alles Lebendige Achtung verdient und menschliches Handeln sich daran messen lassen muss. –
Auch Goethe war für Schweitzer eine wichtige geistige Bezugsfigur. In seinen Goethe-Reden würdigte er ihn nicht nur als großen Dichter, sondern als umfassenden Menschen: als Suchenden, Denkenden und Handelnden, der Natur, Kunst und Lebensverantwortung zusammendachte. – Für Albert Schweitzer wurde Goethe zu einem Zeugen jener Welt- und Lebensbejahung, aus der auch seine eigene Ethik der „Ehrfurcht vor dem Leben“ erwuchs.
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Unser Mitglied Rainer Waldschmidt liest aus Schweitzers „Reden über Goethe“. Außerdem empfehlen wir Ihnen Bücher rund um Goethe und die Goethezeit und bieten eine Programmvorschau auf 2027.
Vortrag Steffi Böttger: Charlotte von Stein zum 200. Todestag
Vortrag von Steffi Böttger (Leipzig)
Pfirsiche, Spargel und künstliche Reime – Charlotte von Stein zum 200. Todestag
Es ist alles bekannt und von allen Seiten beleuchtet, was man über Charlotte von Stein wissen kann. Zeitzeugen, die man befragen könnte, gibt es nicht mehr, und so bleiben die wilden Spekulationen über den Charakter ihrer Liebe zu Goethe reine Spekulation. Charlotte von Stein war kühl und scharfsinnig, großzügig im Vergeben und unnachgiebig, wenn es um ihre wirtschaftlichen Interessen und die ihrer Kinder ging. Sie revoltierte nicht gegen die höfischen Regeln, sie passte sich an. Dabei gelang es ihr nicht nur mit viel Geschick, das Dichtergenie Goethe in Weimar zu halten, sondern auch, ihm die wichtigsten Regeln des Hoflebens beizubringen. Über ihre eigenen Gefühle können wir nur mutmaßen, besitzen wir doch keinen ihrer Briefe an Goethe, nur das Echo in seinen.
Charlotte von Stein starb am 6. Januar 1827. Was wurde in den letzten 200 Jahren nicht alles spekuliert! Aus den etwa 1600 Briefen und Billetts Goethes an Charlotte hat jedes Zeitalter seine eigene Geschichte rekonstruiert, von sachlicher Beschreibung bis hin zu reiner Halluzination. Von Karl August Böttiger bis zu Ettore Ghibellino unternimmt die Sprecherin und Publizistin Steffi Böttger in ihrem Vortrag einen Parforceritt durch die Charlotte-von-Stein-Literatur der letzten 200 Jahre.
Charlotte von Stein (1742–1827). Stahlstich von Georg Wolf nach einem Selbstbildnis von 1790
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Die Leipziger Publizistin, Sprecherin und Autorin Steffi Böttger absolvierte eine Buchhändler- und Schauspielausbildung und arbeitete an verschiedenen Theatern. Sie gab Hans Natoneks Publizistik heraus und verfasste seine Biografie. Zudem publiziert sie kulturgeschichtliche Stadtführer und Beiträge zu Autoren des 19. Jahrhunderts in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und den Leipziger Blättern.
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Vortrag Dr. Christof Krieger: Goethes stürmische Moselfahrt im November 1792
Vortrag Dr. Christof Krieger (Traben-Trarbach)
„Als Deutschland beinahe seinen größten Dichter verlor“: Goethes stürmische Moselfahrt von Trier nach Koblenz im November 1792
… bald schwoll der Sturm im Gegenwinde, bald wechselten abprallende Windstöße niederstürzend mit wütendem Sausen; eine Welle nach der anderen schlug über den Kahn, wir fühlten uns durchnässt. Der Schiffmeister barg nicht seine Verlegenheit; die Not schien immer größer, je länger sie dauerte, und der Drang war aufs höchste gestiegen, als der wackere Mann versicherte, er wisse weder wo er sei, noch wohin er steuern solle … Und so wurden wir im Stockfinstern lange hin und her geworfen, bis sich endlich in der Ferne ein Licht und damit auch Hoffnung auftat … (J. W. v. Goethe, Campagne in Frankreich 1792)
Trarbach (Vordergrund) mit der Grevenburg und Traben (Hintergrund); Aquatinta von Karl Bodmer, um 1831
Dramatischere Worte hätte Johann Wolfgang von Goethe kaum finden können, als er sich Jahrzehnte später an seine lebensgefährliche Moselfahrt von Trier nach Koblenz erinnerte. Es war keineswegs eine seiner vielen Bildungsreisen, die Goethe in die Region geführt hatte; vielmehr war der Weimarer Dichter im Schlepptau von Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach und auch, um das „Kanonenfieber“ einmal „am eigenen Leibe“ zu erfahren, im Sommer 1792 der preußischen Armee nach Frankreich gefolgt, die im ersten Koalitionskrieg den Spuk der Revolution ein für alle Mal aus Paris vertreiben wollte. – Doch der Feldzug endete in einem Desaster: Fast ein Drittel der Soldaten starb beim Rückzug an Seuchen und Entkräftung. Kein Wunder also, dass Goethe trotz aller dort lockenden Sehenswürdigkeiten die einstige römische Kaiserstadt Trier am 1. November so schnell wie möglich verlassen wollte.
Das Licht, das sich ihm bei seiner stürmischen Kahnfahrt nach Koblenz auf halbem Wege so hoffnungsvoll „auftat“, kam aus dem Moselstädtchen Trarbach, wo der Dichter nach glücklich überstandener Lebensgefahr bei dem reichen Kaufmann Ludwig Böcking freundliche Aufnahme fand. Dessen barockes Wohnhaus samt „Goethezimmer“ kann als Museum besichtigt werden.
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Dr. Christof Krieger, Leiter des Mittelmosel-Museums in Traben-Trarbach, erinnert an diese dramatischen Ereignisse vor rund 230 Jahren.

Vorankündigung Frühjahr 2027: Reise nach Ilmenau und Rudolstadt
Vorankündigung Frühjahr 2027
Reise nach Ilmenau und Rudolstadt
In Ilmenau wirkte Goethe als Staatsmann, Naturforscher und Dichter und hinterließ auf dem Kickelhahn mit Wandrers Nachtlied eine seiner berühmtesten lyrischen Spuren. Rudolstadt steht im Zeichen der ersten persönlichen Begegnung Goethes mit Friedrich Schiller im Jahr 1788, aus der später eine der bedeutendsten literarischen Freundschaften der deutschen Klassik erwuchs. – Angedacht sind zwei Übernachtungen. Termin, Programm und Kosten werden rechtzeitig bekanntgegeben.
Interessierte können sich unter der Mailadresse vorstand@wetzlarer-goethe-gesellschaft.de bei Dieter Lehnhardt melden und werden über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden gehalten.
Paula Wojcik: Goethe trifft Taylor Swift auf der dunklen Seite der Dichtung
Vortrag für Lernende
Prof. Dr. Paula Wojcik (Wien): Goethe trifft Taylor Swift auf der dunklen Seite der Dichtung
Balladen über Tod und Verrat
Johann Wolfgang Goethe und Taylor Swift, zwei Popstars so unterschiedlich wie ihre Zeit. In beider Werk ist aber eine Gattung zu finden: die Ballade. Eine Gattung, die häufig die dunkle Seite des Menschseins thematisiert. Im Vortrag werden zwei Balladen genauer betrachtet: Goethes Gedicht Die Braut von Korinth und Swifts Song No Body, No Crime.

Taylor Swift © Glenn Francis, www.PacificProDigital.com
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Paula Wojcik ist Professorin für Weltliteratur an der Universität Wien. Sie forscht zu Klassikern, Beziehungen zwischen Literatur und anderen Medien sowie zum Thema Flucht.

Der Vortrag richtet sich an Schülerinnen und Schüler sowie selbstverständlich auch an alle Goethe-Interessierten, deren Schulzeit schon ein wenig zurückliegt.
Treffpunkt ist der Haupteingang der Goetheschule, Frankfurter Str. 72, 35578 Wetzlar. Parkmöglichkeiten bestehen vor dem Europabad.
Christine Belz-Hensoldt (Borken): Goethe 1775: Das Schicksalsjahr zwischen Werther und Weimar
Vortrag mit Lesung
Dr. Christine Belz-Hensoldt (Borken):
Goethe 1775: Das Schicksalsjahr zwischen Werther und Weimar
Goethes letztes Frankfurter Jahr im Spiegel zeitgenössischer Briefe und Selbstzeugnisse
in Holsteiner Stiftsfräulein von 21 Jahren liest Goethes Briefroman Die Leiden des jungen Werthers und ist davon so begeistert, dass sie dem Dichter schreibt. Es entspinnt sich ein Briefwechsel, der Literaturgeschichte geworden ist. – Goethes Briefe an Augusta Gräfin zu Stolberg gehören zu den schönsten, die der Dichter je geschrieben hat. Sie wurden zum Rückgrat dieses Vortrags, der wie unter einem Brennglas nur dieses eine Jahr 1775 aus dem Leben des Dichters betrachtet. Es ist ein Jahr, über das Goethe selbst schreibt, dass es ihm zum widersprüchlichsten, man kann hinzufügen, schicksalsträchtigsten im Leben wurde.
Augusta Louise Gräfin zu Stolberg (1753–1835). Ölgemälde von Jens Juel.
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Christine Belz-Hensoldt promovierte 1966 an der Universität Mainz und arbeitete zunächst in der chemischen Industrie, später als Lehrerin für Biologie und Chemie in Wiesbaden. Publizistisch befasste sie sich vor allem mit der Wetzlarer Optikgeschichte sowie mit kultur- und literaturgeschichtlichen Themen zu Goethe.
Lesung der Briefausschnitte: Fabian Schmitt.
Grußwort: Kulturdezernent Jörg Kratkey.
Die Veranstaltung findet statt in Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt Wetzlar.
Im Anschluss an den Vortrag laden wir anlässlich Goethes Geburtstags bei einem Glas Wein zu Gesprächen und geselligem Austausch ein.
Kostenbeitrag 5,– Euro.
Um Anmeldung wird gebeten per E-Mail an: vorstand@wetzlarer-goethe-gesellschaft.de
Der Sandmann. HörTheater nach E. T. A. Hoffmann
Das Kulturamt der Stadt Wetzlar lädt ein im Jahr der Optik:
Der Sandmann. HörTheater nach Ernst Theodor Amadeus Hoffmann (1776–1822)
Mit seinem Blick auf die Nachtseiten menschlicher Seelen führt der Romantiker E. T. A. Hoffmann sein Publikum in eine furchterregende Welt, in der Wahrnehmung und Täuschung, optische Geräte und Automatenzauber in Liebe, Wahn und Tod münden …
Es lesen Edgar Reinhardt, Fabian Schmitt, Fabian Krüger und Nikolett Simon.
Texteinrichtung und Regie: Oliver Meyer-Ellendt. Dauer ca. 60 Min.
Anmeldung unter meike.ruehl@wetzlar.de oder 06441 994107. Eintritt frei.
Mit freundlicher Unterstützung von Heinemann Optik & Akustik.
Grußwort unseres Vorsitzenden
Es bildet ein Talent sich in der Stille,
Sich ein Charakter in dem Strom der Welt.
J. W. v. Goethe: Torquato Tasso I.2.
Liebe Goethe-Freundinnen, liebe Goethe-Freunde,
1775 lebte der 25-jährige Johann Wolfgang Goethe noch in Frankfurt, durch seinen Götz von Berlichingen und Die Leiden des jungen Werthers als literarisches Talent bewundert. Mit seiner Ankunft in Weimar am 7. November 1775 betritt er den „Strom der Welt“. Dr. Christine Belz-Hensoldt wird uns an Goethes Geburtstag von diesem Scharnierjahr 1775 berichten.
Im Oktober folgen wir Goethe auf eine stürmische, ja lebensgefährliche Bootsfahrt auf der Mosel, und im November richtet sich der Blick auf Charlotte von Stein und ihre Rolle bei Goethes Talent- und Charakterbildung.
Wenn die Balladen der berühmten US-amerikanischen Sängerin und Songwriterin Taylor Swift mit den Balladen Goethes verglichen werden, geht es vor allem um Verrat und Tod, während wir zum Jahresabschluss erfahren, warum Albert Schweitzer in Goethe einen Zeugen umfassender Lebensbejahung sah.
Wir laden herzlich zu den Vorträgen über Goethes Talent und Charakter ein.
Im Namen des Vorstands und des Beirats
Oliver Meyer-Ellendt, Erster Vorsitzender






