Vortrag von Steffi Böttger (Leipzig)
Pfirsiche, Spargel und künstliche Reime – Charlotte von Stein zum 200. Todestag
Es ist alles bekannt und von allen Seiten beleuchtet, was man über Charlotte von Stein wissen kann. Zeitzeugen, die man befragen könnte, gibt es nicht mehr, und so bleiben die wilden Spekulationen über den Charakter ihrer Liebe zu Goethe reine Spekulation. Charlotte von Stein war kühl und scharfsinnig, großzügig im Vergeben und unnachgiebig, wenn es um ihre wirtschaftlichen Interessen und die ihrer Kinder ging. Sie revoltierte nicht gegen die höfischen Regeln, sie passte sich an. Dabei gelang es ihr nicht nur mit viel Geschick, das Dichtergenie Goethe in Weimar zu halten, sondern auch, ihm die wichtigsten Regeln des Hoflebens beizubringen. Über ihre eigenen Gefühle können wir nur mutmaßen, besitzen wir doch keinen ihrer Briefe an Goethe, nur das Echo in seinen.
Charlotte von Stein starb am 6. Januar 1827. Was wurde in den letzten 200 Jahren nicht alles spekuliert! Aus den etwa 1600 Briefen und Billetts Goethes an Charlotte hat jedes Zeitalter seine eigene Geschichte rekonstruiert, von sachlicher Beschreibung bis hin zu reiner Halluzination. Von Karl August Böttiger bis zu Ettore Ghibellino unternimmt die Sprecherin und Publizistin Steffi Böttger in ihrem Vortrag einen Parforceritt durch die Charlotte-von-Stein-Literatur der letzten 200 Jahre.
Charlotte von Stein (1742–1827). Stahlstich von Georg Wolf nach einem Selbstbildnis von 1790
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Die Leipziger Publizistin, Sprecherin und Autorin Steffi Böttger absolvierte eine Buchhändler- und Schauspielausbildung und arbeitete an verschiedenen Theatern. Sie gab Hans Natoneks Publizistik heraus und verfasste seine Biografie. Zudem publiziert sie kulturgeschichtliche Stadtführer und Beiträge zu Autoren des 19. Jahrhunderts in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und den Leipziger Blättern.
