Vortrag Dr. Christof Krieger (Traben-Trarbach)
„Als Deutschland beinahe seinen größten Dichter verlor“: Goethes stürmische Moselfahrt von Trier nach Koblenz im November 1792
… bald schwoll der Sturm im Gegenwinde, bald wechselten abprallende Windstöße niederstürzend mit wütendem Sausen; eine Welle nach der anderen schlug über den Kahn, wir fühlten uns durchnässt. Der Schiffmeister barg nicht seine Verlegenheit; die Not schien immer größer, je länger sie dauerte, und der Drang war aufs höchste gestiegen, als der wackere Mann versicherte, er wisse weder wo er sei, noch wohin er steuern solle … Und so wurden wir im Stockfinstern lange hin und her geworfen, bis sich endlich in der Ferne ein Licht und damit auch Hoffnung auftat … (J. W. v. Goethe, Campagne in Frankreich 1792)
Trarbach (Vordergrund) mit der Grevenburg und Traben (Hintergrund); Aquatinta von Karl Bodmer, um 1831
Dramatischere Worte hätte Johann Wolfgang von Goethe kaum finden können, als er sich Jahrzehnte später an seine lebensgefährliche Moselfahrt von Trier nach Koblenz erinnerte. Es war keineswegs eine seiner vielen Bildungsreisen, die Goethe in die Region geführt hatte; vielmehr war der Weimarer Dichter im Schlepptau von Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach und auch, um das „Kanonenfieber“ einmal „am eigenen Leibe“ zu erfahren, im Sommer 1792 der preußischen Armee nach Frankreich gefolgt, die im ersten Koalitionskrieg den Spuk der Revolution ein für alle Mal aus Paris vertreiben wollte. – Doch der Feldzug endete in einem Desaster: Fast ein Drittel der Soldaten starb beim Rückzug an Seuchen und Entkräftung. Kein Wunder also, dass Goethe trotz aller dort lockenden Sehenswürdigkeiten die einstige römische Kaiserstadt Trier am 1. November so schnell wie möglich verlassen wollte.
Das Licht, das sich ihm bei seiner stürmischen Kahnfahrt nach Koblenz auf halbem Wege so hoffnungsvoll „auftat“, kam aus dem Moselstädtchen Trarbach, wo der Dichter nach glücklich überstandener Lebensgefahr bei dem reichen Kaufmann Ludwig Böcking freundliche Aufnahme fand. Dessen barockes Wohnhaus samt „Goethezimmer“ kann als Museum besichtigt werden.
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Dr. Christof Krieger, Leiter des Mittelmosel-Museums in Traben-Trarbach, erinnert an diese dramatischen Ereignisse vor rund 230 Jahren.
