Vortrag von Prof Dr. Olaf L. Müller (Berlin):
Johann Wolfgang von Goethes und Johann Ritters gemeinsame Reise ins Ultraviolette
Im Mai 1792 hätte Goethe mit seinen geliebten Leuchtsteinen fast das UV-Licht entdeckt. Als Johann Ritter im Februar 1801 endlich auch so weit war – und zwar anstelle der Leuchtsteine mit einer photochemischen Substanz namens Hornsilber – tauschten sich der romantische Physiker und der Weimarer Klassiker über ihre Erkenntnisse aus. Kurz darauf vollzog Ritter den Schritt, den Goethe ursprünglich verpasst hatte. Ritter jubelte: „Dieser Versuch sieht einem Zauber ähnlich, indem hier Finsterniß selbst Licht zu erzeugen scheint.“
In unserem Vortrag wird die nobelpreisverdächtige Pioniertat gefeiert, die Goethe und Ritter vor über 225 Jahren vollbrachten. Es handelt sich um eine beispiellose Kooperation des umstrittenen Farbenlehrers Goethe mit einem jungen Genie der romantischen Physik. Sie wirft die bis heute spannende Frage auf, was geschehen wäre, wenn die beiden Forschungspersönlichkeiten in den Folgejahren weiter kooperiert hätten.
Johann Wilhelm Ritter (1776–1810). Zeitgenössische Darstellung eines anonymen Künstler (Aus: Klaus Günzel, Die deutschen Romantiker, Zürich 1995 / Wikipedia) |
Olaf L. Müller (www.farbenstreit.de) ist Professor für Naturphilosophie an der Humboldt-Universität Berlin. Seit Jahren versucht er, Goethes Farbenlehre aus physikalischer Perspektive so stark zu machen wie möglich (Mehr Licht, Fischer Verlag 2015). In einem jüngst erschienenen Buch erzählt er die Erfolgsgeschichte der wissenschaftlichen Kooperation zwischen dem jungen genialischen Johann Ritter und dem damals alles andere als arrivierten Goethe (Ultraviolett, Wallstein Verlag 2021, Schriften der Goethe-Gesellschaft Weimar, Band 80). Zudem ist Müller Mitherausgeber eines Sammelbandes über die Forschungsmethode, derer sich Goethe und Ritter bedienten (Goethe, Ritter und die Polarität, Mentis Verlag 2021).
Die Veranstaltung findet am Dienstag, den 17. März 2026 um 16.00 Uhr in der Werner-von-Siemens-Schule, Dammstraße 62, 35576 Wetzlar statt.
